Neuer Anschlussweg Basel - Jura - DreiSeen

Erstellt am | Autor Kathrin Cuomo-Sachsse

Unterwegs sein, um anzukommen

An der Einweihung des neuen Jakobsanschlussweges vom 25. Mai in Basel trafen Pilgerfreunde aus dem Dreiland auf Vertreter aus Kirche, Kultur, Wirtschaft und Politik. Auch die gemeinsame Wanderung nach Mariastein vermittelte einige spirituelle und landschaftliche Impulse.
„Wir sind immer unterwegs“, erklärte der Basler Pfarrer Guido Büchi die Bedeutung des Weges als Sinnbild des Lebens, das sich zwischen Geburt und Sterben, zwischen Aufbrechen und Angelangen erstreckt: „Auch Kirchen müssen unterwegs sein, um anzukommen.“

 

Rund 80 Pilger aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich versammelte sich an diesem sonnigen Samstag um 10 Uhr in der St.-Jakobskirche zur Einkehr. Dann zog die Truppe weiter zum Hofgut Unter-Brüglingen, um dort bei Wein, Wasser und Brot Rast zu machen. In malerischer, parkartiger Umgebung wurde der neue Anschlussweg Basel-Jura-Dreiseen von der Projektgruppe und lokalen Vertretern aus Kirche, Kultur, Tourismus und Politik zusammen mit dem Verein Jakobsweg.ch feierlich eingeweiht.

Körper und Geist in Bewegung

Anita Lachenmeier-Thüring, Basler Nationalrätin der Grünen, kommen die besten Ideen beim Gehen: „Pilgern setzt Körper und Geist in Bewegung. Doch Langsamkeit hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Immer müssen wir schnell wo sein.“ Als Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen weiss sie, wovon sie spricht: „Ein wenig Entschleunigen würde auch den Politikern gut tun, um in schöner Natur Kraft zu tanken und gemeinsam mit Anderen Besinnliches zu erleben“, riet sie. Deshalb sei ein Jakobsweg für die Gesellschaft mindestens so wichtig wie eine neue Autobahn.

Zum Stichwort Langsamverkehr verwies Mitinitiant und Vizedirektor Museum der Kulturen BS, Dominik Wunderlin, auf die Wanderwege beider Basel, auf denen der neue Anschlussweg verläuft. Hier will Baselland Tourismus die Entwicklung verfolgen und gegebenenfalls mit speziellen Angeboten reagieren, sagte Präsident René Eichenberger am Anlass. Er ist sich sicher, dass dank den Pilgern die Baselbieter Wanderwege belebt werden. Gemäss einer Berner Erhebung schlägt das Pilgern mit rund 8500 Übernachtungen pro Jahr zu Buche und werden dabei 40 Franken pro Person pro Tag im Gastgewerbe und im öffentlichen Verkehr liegen gelassen. Beim Pilgern seien die gelben Wegweiser nicht das Entscheidende, meinte Eichenberger: „Pilger haben ihre eigenen Ziele“. Und für die Reise ins Innere bieten die Wege Oasen, wo das Leben an Tiefe gewinnt.

 Wichtige Verbindung zu Deutschland

 „Die neue rund 200 Kilometer lange Route beinhaltet mit ihren kulturellen Sehenswürdigkeiten, historischen Gedenkstätten und Relikten des Heiligen Jakobus einige spirituelle und landschaftliche Impulse“, so Dominik Wunderlin. 15 Jahre hatte er nach dem Pilgerkreuz Basel gesucht. Auf den Spuren des Heiligen Jakobus galt es auch, den seit dem 14. Jahrhundert bezeugten Pilgerweg entlang dem Bielersee mit einzubinden. Hier stellte sich Projektleiterin Karin Merazzi schon lange die Frage nach der Machbarkeit. Ziel ist es, mit dem Anschlussweg eine Verbindung zwischen Süddeutschland und der Schweizer Via Jacobi zu schaffen und damit eine wesentliche Lücke im europäischen Jakobusweg-Netz zu schliessen.

Den Stein ins Rollen brachte hier auch Erhard Trotter. Der Initiant des Himmelreich-Jakobuswegs von Hülfingen nach Weil am Rhein, erkundigte sich bei den Schweizern nach einem Weg durch das Jura. Da im Rahmen des Pilgerjahres 2010 zudem Gelder von Bund und Kantonen gesprochen wurden, konnte der Weg innert zwölf Monaten mit Unterstützung von Vertretern aus Kirche, Kultur und Tourismus initiiert werden. Karin Merazzi bedankte sich bei den freiwilligen Helfern für deren unermüdlichen Einsatz.

Begegnung verschiedener Religionen und Sprachen

Auf dem Jakobsweg begegnen sich unterschiedliche Religionen, Sprachen und Kulturen. Pfarrer Dr. Samuel Lutz, Präsident des Vereins Jakobsweg.ch, betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Schweiz. So passiert die neue Route acht Kantone und wechselt mehrfach zwischen deutsch- und französischsprachigem, zwischen katholischem und protestantischen Gebiet.

Über die transnationale Verbindung freut sich auch Karl-Heinz Besler. Er war eigens aus Nordwestdeutschland zur Einweihung nach Basel angereist, um die neue Route für die 35 „Jakobsfreunde Breckerfeld“ zu testen. Nach der Segnung des Anschlusswegs durch die Theologin Elsbeth Caspar wanderte er zusammen mit den anderen Pilgern und ausgestattet mit einigen „Weg-Impulsen“ weiter zum 15 Kilometer entfernten Wallfahrtsort Mariastein.

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