Ich habe beim Pilgern über mein Leben nachgedacht und bin mir dabei selbst begegnet. Ich weiß jetzt besser, wer ich bin, und mir ist hier und dort klarer geworden, was jetzt oder später zu tun ist. Pilgern erschließt Vergangenheit und eröffnet Zukunft.

Eine Übung, die U. Bittner für den Tagesabschluss vorschlägt, eignet sich auch für eine Zwischenbilanz. Was habe ich bisher auf dem Weg erlebt? Was hat er mit mir gemacht? Die Satzzeichen geben die Impulse:

- Was ist abgeschlossen? Was kann ich zurücklassen? Wo kann ich einen Punkt setzen?
- Wo setze ich ein Komma, weil etwas noch unvollendet ist? Weil ich etwas weiter bedenken möchte? Jetzt kann ich es ruhen lassen.
- Ich setze einen Gedankenstrich, weil etwas noch ungeklärt ist. Es bleibt offen und muss weiterbearbeitet werden. Ich markiere es 
  durch den Gedankenstrich, will es aber für die Nacht weglegen.
- Das Fragezeichen setze ich dort, wo ich etwas falsch gemacht habe, hinter alles, was mir nicht gelungen ist.
- Das Ausrufezeichen steht hinter allem, was schön war und gut gelungen ist. Es drückt meine Freude und meine Dankbarkeit aus.
- Die Absatz-Taste verweist auf einen neuen Anfang. Mein Pilgerweg und mein Leben gehen weiter. Ich darf morgen neu beginnen.
  Fotokopierte Vorlage; Quelle unbekannt

Die Unvollendete

Von Franz Schubert
gibt es eine Sinfonie,
die er nicht vollenden konnte.
Sie heißt darum
die Unvollendete.
Doch trotz fehlender Vollendung
ist die Musik
nicht weniger herrlich.

Komponiert nicht jeder von uns
die Sinfonie seines Lebens?
Und ist diese Sinfonie nicht immer
unvollendet
und unvollkommen,
selbst wenn wir
achtzig Jahre alt werden?

Trotz fehlender Vollendung,
trotzdem wir sterben müssen,
steckt so viel Musik
in einem Menschenleben.
Gott, der große Meister und Dirigent,
er weiß noch mit der
lückenhaftesten Partitur
etwas zu machen: Sphärenklänge,
Himmelsmusik,

(Michael Zielonka,
Quelle unbekannt)

Die Biographiearbeit beim Pilgern lässt schöne und schmerzhafte Erinnerungen lebendig werden. Ich stoße auf gelungene Passagen und auf unerfüllte Hoffnungen und Träume. Mir wird deutlich, dass jedes Leben  fragmentarisch ist.

      -    Kann ich mich aussöhnen, mit  
           meinem fragmentarischen Leben?

      -    Kann ich mich aussöhnen mit mir?

      -    Mit meiner Situation?

      -    Mit anderen?

"zu Hause"