Faszination

Ein außergewöhnlicher Weg erwartet mich, seit Jahrhunderten begangen. Hinreißend schöne Landschaften liegen am Weg. Kulturdenkmäler von europäischem Rang. In der Fremde begegne ich anderen Menschen, anderen Sprachen und Lebensarten – das weitet mein Inneres.

Schwierigkeiten

Der Weg ist anstrengend. Die ihn gegangen sind, berichten von Strapazen und Leiden, die ans Aufgeben denken ließen und vor die Frage stellten: Warum mache ich das eigentlich? Warum mute ich mir dies zu?
Wie wird mein Körper auf die Herausforderungen reagieren? Auf die Hitze, die Steigungen und die Abstiege? Auf ungewohnte Wegverhältnisse und bescheidene Quartiere? Werden die Füße, die Knie, der Rücken mitmachen? Wie wird sich meine Seele einstellen auf monotone Strecken, auf Nebel und Regen, wenn ich auf mich allein gestellt bin oder wenn mir die Gemeinschaft zu zweit oder dritt zu eng wird?

Unterschiedliche Erfahrungen

Für die meisten Jüngeren ist es eher selbstverständlich, dass der Organismus mitspielt. Oft aber spüren sie unterwegs, dass das so selbstverständlich gar nicht ist. Jüngere und Ältere neigen dazu, sich zu überfordern. Manche Ältere sind enttäuscht, wenn sie an Grenzen stoßen. Andere empfinden eher dankbar, was sie noch leisten können.

Grenzen

Ich werde mein Tagespensum und meinen Rhythmus meiner Verfassung, dem Weg und dem Wetter anpassen müssen. Dennoch werde ich Grenzen spüren. Folge ich den  Einflüsterungen der Vernunft und gebe den Grenzen nach – vielleicht zu früh? – oder überhöre ich sie, um mich selbst zu überwinden, in der Hoffnung auf die „zweite Luft“? Ich werde Pausen einlegen. Und wenn es tatsächlich nicht mehr geht? Werde ich den Mut aufbringen, den Bus zu besteigen oder ein paar Tage zu pausieren ohne in Enttäuschung über mich zu versinken?

Begegnungen

Warmherzige, uns fremd gewordenen Gastfreundschaft kann am Weg einladen. Aber ich werde auch auf Einheimische treffen, denen Pilger zum Alltag geworden sind. Sie schenken ihnen wenig Beachtung oder weisen sie manchmal sogar ab. Hilfe werde ich unterwegs immer wieder von Mitpilgern erfahren – durch ein Gespräch, das weiterhilft, durch Hinweise, Tipps oder schlicht durch ein Pflaster. Doch auch da sind Enttäuschungen nicht ausgeschlossen. Nicht alle sind offen für Kontakte.  
Der Pilgerweg wird mich bereichern – er wird mir aber auch abfordern, mit Enttäuschungen fertig zu werden. 

"Wie aufbrechen?"

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