Die Beatus Sage

Nach G. Dummermuth. Der Schweizerapostel St. Beatus, Sage und Geschichte Max Birkhäuser & Carl Huber, Basel 1889

Die Hirten von Sundlauenen

Vor langen Zeiten lebten die Bewohner um den Thunersee weltabgeschieden im Heidentum. Angewiesen durch Druiden opferten sie ihren Göttern Menschen. Auf Hohlenstein aber auch auf der felsigen Plattform vor der grossen Höhle unter der Balmfluh wurde geopfert. Die weisen Druiden hatten früher diese Höhle bewohnt, bevor ein grausiger Drache sie vertrieb, und die ganze Gegend in Angst und Schrecken versetzte. Eines Tages, da kamen über den Brünig zwei Fremdlinge gewandert, in Kutten von schwerem Stoff, mit langem Pilgerstab: Beatus und Justus. Sie zogen dem Brienzersee entlang ins Bödeli, überquerten den Lombach und kamen ins uralte Dörfchen Sundlauenen. Die beiden wurden von den freundlichen Hirten gastlich aufgenommen und mussten von ihrer Reise erzählen. Im fernen England sei ihre Heimat, berichteten diese, und gekommen seien sie, um den Bewohnern dieser Gegend eine gute Botschaft zu bringen. Beatus erzählte ihnen vom gütigen Gott im Himmel und von Jesus Christus seinem Sohn, der in die Welt gesandt ward, um die Menschen selig zu machen. Die Sundlauener baten Beatus, dass er bei ihnen bleibe, und sie in diesem neuen Glaubensweg noch besser unterrichte. Er wolle gern bleiben, versprach dieser, doch möge er niemandem zur Last fallen; sie sollen ihm in der Umgebung eine Höhle zuweisen, wo er und Justus wohnen könnten, mehr bräuchten sie beide nicht.

Die Drachenhöhle

Beatus der DrachentöterDie Hirten erzählten, eine solche Höhle sei gar nicht weit, auch wäre sie als Wohnstätte bestens geeignet, hauste dort nicht ein grausiger Drache, ein Schrecken für Mensch und Tier. "Die Erde ist des Herrn und was da drinnen ist!" sprach fröhlich Beatus. "Im Namen des allmächtigen Gottes will ich den Drachen vertreiben." Die Sundlauener rieten Beatus ab, solches zu tun, aber Beatus blieb fest. Während die Hirten schliefen wachte und betete er mit seinem getreuen Gefährten. Als es am Morgen dämmerte, machten sich die beiden auf und gelangten bei Sonnenaufgang bei der Höhle an. Der Drache empfing die fremden Ankömmlinge mit schrecklichem Zischen. Beatus aber hob seinen Pilgerstab und beschwor den grausigen Lindwurm im Namen Gottes des Allmächtigen. Mit ohnmächtigem Wutgeheul fuhr der Drache aus und stürzte in den See, der darob siedend aufkochte.

Beat’s apostolischee Wirken 

Beatus war in diese wilde Gegend gekommen, um als Glaubensbote zu wirken. An jenem denkwürdigen Morgen, an dem der Drache mit heftigem Getöse in den See fuhr, dass es schauerlich von den Bergen widerhallte, eilten die Leute herbei; sie wollten das grosse Wunder schauen, dem Helden hohe Ehre erweisen. Beatus aber belehrte sie, dass nicht ihm Ehre gebühre, sondern allein dem Gott der Christen, der Macht habe, die stärker sei, als alle Gewalt des Bösen Feindes. Willig hörten sie ihm zu, nicht nur an diesem Tage. Sie kamen wieder und wieder, und lauschten seinen Worten. Bald war ihnen Beatus nicht mehr fremd, sondern Freund und Vater, der die Leute in ihren Hütten aufsuchte, ihnen freundlich zusprach, tröstete, sie heilte und gesundbetete. Sie aber halfen ihm bei der Höhle ein Kirchlein zu bauen, um sich darin zum Gottesdienst zu versammeln. Auch auf der anderen Seite des See’s wurde Beatus bekannt. Vor allem in Einigen glaubten viele, liessen sich taufen und bildeten eine Christengemeinde, die von Justus betreut wurde. In der neugebauten Kirche kamen auch dort die Gläubigen allsonntäglich zusammen.

Mantelfahrt und Zaunstecken

Wenn Beatus aber über den See zu den Dörfern am anderen Ufer fuhr, benützte er seinen Mantel als Segel. Von ihm lernten die Anwohner die Segel zu gebrauchen. Regelmässig wehte der Wind des Morgens seeabwärts und des Abends aufwärts, das war für die Predigtreisen Beats günstig. Der ungewohnte Anblick des Beatus, der mit seinem Mantel segelte, liess viele Leute glauben, er brauchte nur seinen Mantel auf dem Wasser auszubreiten, sich darauf zu setzen, so trage ihn dieser trocken über den See. So erzählten die Leute sich, dass er einmal über den See fahren wollte, als ihm sein Vehikel den Dienst versagte. Es drehte und schwankte und trieb ihn gar rückwärts gegen das Ufer zurück. Sein Rudern war vergeblich. Er dachte nach und plötzlich gedachte er eines Zaunsteckens, den er beim Heruntersteigen ausgerissen hatte, als Wanderstab und Ruder zur Überfahrt. Er bereute sein Unrecht fremdes Gut entwendet zu haben und brachte den Stecken dorthin zurück wo er ihn entwendet hatte. Jetzt gelang ihm die Mantelfahrt über den See; wie ein Schwan erreichte er das andere Ufer.

P. Kammüller ?

Zur Osterpredigt am Nachmittag fuhr Beatus zu seinem Schüler Justus nach Einigen. Als er ankam, hatte Justus bereits zu predigen begonnen und so setzte sich Beatus auf die hinterste Bank, um niemanden zu stören. Im Kirchlein aber war es so schwül, so dass etliche zu schlafen anhoben. Betrübt sah dies Beatus; aber vollends entsetzte er sich, als er unter der Kanzel den Satan selber sitzen sah. Dieser schrieb die Namen derer auf ein Bocksfell auf, die träumten, und so ihr Seelenheil am jüngsten Tag verspielten. Beatus war in verzweifelter Lage. Gerne hätte er die Schläfer geweckt, damit sie nicht das Amen des Justus versäumten und so der Gewalt des Teufels verfielen. Aber er durfte den Gottesdienst nicht stören. Plötzlich nahm die Sache eine unvorhergesehene Wendung: In der Kirche waren so viele Schläfer, dass der Satan auf seiner Haut keinen Platz mehr fand sie aufzuschreiben. Er versuchte sie zwischen Zähnen und Klauen in die Länge zu ziehen; er zerrte und zerrte... bis die Haut entzwei sprang, und er seinen Kopf dermassen an der Kanzel schlug, dass es in der ganzen Kirche dröhnte. Beatus lachte hell auf über den dummen Teufel, und alle in der Kirche erwachten so gerade noch bevor der predigende Justus das Amen sprach

Die hilfreichen Zwerglein

Zu jener Zeit gab es noch Zwerge, die in verborgenen Felsklüften wohnten. Die menschenscheuen Bergmännchen waren den stillen braven Menschen gern behilflich in Haus und Feld. Ihre Hilfeleistungen aber taten sie im Verborgenen, um die Leute damit zu überraschen. Versuchte einer sie zu belauschen, so kehrten sie nie mehr bei ihm ein. Mit Beatus schlossen sie bald Freundschaft, hatte er doch den Drachen aus der Höhle vertrieben, vor dem auch sie sich schrecklich gefürchtet hatten und sich daher lange Zeit im Innersten der Höhle versteckt hielten. Jetzt traten sie wieder ans Tageslicht. Manch einem kam ihre Hilfe zu gut. Am meisten dienten sie Beatus. Wie einst der Prophet Elia von Raben gespeist wurde, so sorgten sie für Beatus' Unterhalt. Sie brachten ihm dürres Holz, schöpften Wasser aus dem Bach, brachten ihm Gemsmilch und feinen Käse, Gemüse und reife Früchte und vieles mehr. Beatus aber brauchte das wenigste für sich selber, er brachte das meiste den Armen und Leidenden der Gegend. Die Zwerge brachten ihm von den Berggipfeln viele seltene heilwirkende Pflanzen, die ihm als Arznei für die Kranken dienten. In seinem Garten blühten Biberklee und Lilien neben den vielen Kräutern.

Untergang der Stadt Roll

Westlich von Merligen existierte vormals die Stadt Roll. Gross und mächtig war sie. Ihre Bewohner hatten durch Goldgraben und Handeltreiben viele Reichtümer erworben. Mit dem Gold waren bei ihnen aber auch der Hochmut, die Ausgelassenheit und das schwelgerische Leben eingezogen. Weitherum waren die Rollianer ihres Übermutes wegen bekannt. Nur wenige waren zu Beatus gekommen, um sich im Christentum unterrichten zu lassen, die meisten blieben fest in ihrem römischen Heidentum verankert. Beatus machte sich auf, um dort die wenigen Jünger im Glauben zu stützen und die anderen für Christus zu gewinnen. Als er aber in Roll ankam, zeigte sich keiner seiner Anhänger, alle hatten sie sich versteckt aus Furcht vor den Ungläubigen. Diese ruchlose Rotte aber fiel über Beatus her, mit Spott und Schmähung. Sie rissen ihn an seinem Bart und drohten ihn zu erwürgen. Da nahm ihn ein frommes Ehepaar, das abseits wohnte, gastlich unter das schützende Dach. Traurig kehrte Beatus zu seiner Höhle zurück. Auf dem Weg durchs Balmholz begegneten ihm seine Freunde, die Zwerglein von Oberhusen. Er musste ihnen den Grund seiner Betrübnis erzählen. Andere Zwerglein hatten von der spitzen Fluh zugesehen, wie schimpflich man in Roll mit dem ehrwürdigen Mann umgegangen war. Nun war das Mass des Frevels voll und so beschlossen die Zwerglein, furchtbare Rache zu nehmen. Geschäftig begannen sie in den Felsspalten der spitzen Fluh zu hämmern, gossen Wasser nach und liessen es gefrieren, um den Felsen zum Bersten zu bringen. Noch liessen sie einen Kassandraruf von der Höhe erschallen            

 "Stadt Roll, zieh us mit dinem
Volch! Die spitzi Fluh ist g’spalte;
Schlegel u Wegge si g’halte.
Zieh us, dem Stampach zue!"     
Die Warnung war umsonst. Furchtbar brach das Gericht über die Stadt herein. Der Berg erbebte, flammende Blitze stürzten aus einer schwarzen Wetterwolke nieder und unter schreckhaftem Donner erfolgte ein Sturz, der Stadt und Bewohner tief unter Felsblöcken, Schutt und Trümmern begrub. Ein grosser Teil der Stadt versank im See. Einzig das gastliche Haus, wo man den heiligen Beatus aufgenommen hatte, blieb verschont.


St. Beatus Tod und Begräbnis

Der heilige Beatus erreichte trotz aller Entbehrung und aufopferndem Dienst zum Wohle und Heil der Menschen ein hohes Alter. Niemandem ist er je zur Last gefallen, viele hat er mit Rat und Tat unterstützt und ihnen in Ausweglosigkeit und Not den Weg gewiesen. Als nun St. Beatus fühlte, dass er sterben musste, rief er Justus, seinen Gefährten zu sich. Dieser pflegte ihn in seinen letzten Tagen. Beatus bat Justus, alle zu rufen, die sich durch sein Zeugnis zu Christus bekehrt hatten. Alle strömten sie zu Beatus. Er nahm von ihnen Abschied, ermunterte sie im Glauben standhaft zu bleiben und segnete sie. Dann schloss er die Augen, um im Himmel wieder zu erwachen. Sein Leichnam wurde in der Höhle begraben. Später wurde auch Justus, gemäss seinem Wunsch, neben Beatus bestattet. Die St. Beatushöhle - so wurde sie von nun an genannt - wurde zum Ort des Gebets und der dankbaren Erinnerung an den, der die Frohbotschaft an das rechte Thunerseeufer gebracht hatte. Niemals mehr ist die Predigt  des Evangeliums seither verstummt.

 

Beatus Geschichte oder Legende

Über den im Mittelalter als St. Batt hochverehrten Heiligen vertreten die Historiker im Laufe der Zeit verschiedene Ansichten:.

-    Ist er, wie uns die Legende erzählt, der britannische
     Mönch, von Petrus selbst zum Priester geweiht
     und ausgesandt, um die Helvetier zum Christentum zu
     bekehren?

-    Ist er ein Heiliger der Thebäischen Legion, der im 3.
     Jahrhundert an den Thunersee gekommen ist?

-    Ist er einer der 12 Begleiter des Kolumban, der kurz nach 600 durch die Nordschweiz
     gezogen ist?

-    Ist Beatus der Beatus von Honau im Elsass, der von 722 - 774 das Kloster geführt hat,
     das seine Mönche in die Schweiz ausgesandt  haben soll?

-    Oder ist der Schweizer Beatus mit seinem Namensbruder dem Bischof von Vendôme in
     Frankreich identisch, von dem die gleiche Drachenlegende erzählt wird?

Wir wissen es nicht... Was wir über Beatus zu wissen meinen, stammt grössten Teils aus der Feder des Minoriten Daniel Agricola, der 1511 das Leben des Heiligen beschreibt. Der im Stile der "Vita" geschriebene Text übertüncht die Person des Beatus mit den üblichen Heiligenklischees.

Ein allfälliger historischer Beatus ist dahinter nicht mehr auszumachen, so dass die meisten Historiker den Heiligen Beatus heute in den Bereich der Legende verbannen. Immerhin sei noch eine Meinung über St. Beatus angeführt, die einiges für sich hat: Klostergründer und Kirchenstifter werden im Mittelalter in der Regel zu Heiligen erhoben. Oft richten die Klöster in ihrer Nähe für diese eine Wallfahrt ein, eine Hauswallfahrt. Dies könnte auch für den Gründer des Klosters Interlaken, Seliger (lateinisch: Beatus) von Oberhofen, zutreffen. Er könnte der Beatus gewesen sein, der sein Leben als Eremit in der St. Beautshöhle beschlossen hat und dort als Heiliger verehrt wurde.

Der Kult

Schon die Kelten - so berichtet der Volksmund - hätten bei den Beatushöhlen ihren Göttern geopfert. Es ist durchaus möglich, dass die grosse Höhle unter der Balmfluh ein vorchristlicher Kult- oder Wallfahrtsort gewesen ist. Dafür spricht auch seine Lage: Kelten betrachten Höhlen und Quellen als Orte der Gottesnähe und des Heilwerdens.
Im Zuge der Christianisierung blieben solche Kultstätten bestehen, sie erhielten eine Kirche oder eine Kapelle und wurden so zum christlichen Wallfahrtsort.Wer bei den Höhlen anfangs 12. Jh. oder noch früher die erste Kapelle gebaut hat und wem sie geweiht war, ist heute nicht mehr auszumachen. Die älteste Urkunde, die von der Pfarrei zu Sancto Beato Zeugnis gibt, stammt von 1230. Sehr bald gelangt St. Beaten in die Obhut des Klosters Interlaken, das in der Folge auch die Priester stellt und den Beatuskult nach Kräften fördert.

Das 15. Jh. ist die Glanzzeit der Beatusverehrung. Aus dem heiligen Beatus wird so etwas wie ein Landespatron, der als hilfreicher Heiliger in der ganzen Eidgenossenschaft und weit darüber hinaus verehrt wird. Scharen von Menschen besuchen die Grabstätte des Heiligen und erflehen Hilfe und Genesung. Für das Wort "wallfahren" braucht man in dieser Zeit im Volk das Wort "batten", ein Wort, das sich im Ausdruck "äs het batter" (es ist geglückt) bis heute überliefert hat. Natürlich bezieht sich das Wort auf glücklich verlaufene Wallfahrten, wie die des Burkhard Münch aus Basel, der 1422 in St. Beaten von seiner schweren Krankheit geheilt worden sei. Die Stadt Bern, Schirmherrin des Klosters Interlaken, steht auch hinter dem Beatuskult: Im Jahre 1439 bricht im Lande die Pest aus und fordert viele Opfer. In dieser schweren Not ordnet die Regierung in Bern einen allgemeinen Buss- und Bittgang zur Ruhestätte St. Beatus an.  An solchen verordneten Wallfahrten nimmt jeweils mindestens ein Familienmitglied teil. Bern fordert die Nachbargemeinden von St. Beaten mehrmals auf, den Pilgerweg auf eigene Kosten instandezustellen, um eine gute Zugänglichkeit sicherzustellen.

1494 stellt die Regierung einen Bettelbrief aus, um den Klosterherren zu ermöglichen, die Reliquien des Heiligen Beatus in Silber zu fassen. Die Sammlung sei so reichhaltig ausgefallen, dass gar ein mit Silber beschlagener Schrein gefertigt werden kann, den man über den Altar stellt.

Der 9. Mai, der Beatustag, wird als grosses Volksfest gefeiert. Ein Sprüchlein aus dem 15. Jh. rettet etwas vom grossen Glanz des Heiligen Beat herüber in unsere Zeit:    

"Juhe, heut ist sant Batten Tag!
Hinweg all Sorg, hinweg all Plag;
Es freue sich, wer sich freuen mag!"     

Bis zur Reformation bleibt St. Beaten nebst Einsiedeln der meist besuchte Wallfahrtsort in der Eidgenossenschaft.

Bildersturm

1528 entscheidet sich Bern für die Reformation. Die Klöster werden aufgehoben, Messe und Heiligenverehrung abgeschafft. Auch St. Beaten soll geräumt, die Bilder verbrannt, die Reliquien begraben werden. Ob dies dann so geschehen ist, wie der Berner Chronist Anselm schreibt, oder ob Bilder und Reliquien aus St. Beaten mit dem altgläubigen Zuger Hauptmann Schönbrunner den Weg über den Brünig in die Innerschweiz finden, bleibt offen. Zug, Luzern, Schwyz u.a. behaupten später, Reliquien von St. Beatus zu besitzen. Auf jeden Fall hat der damalige Leutpriester Martin Freund die Innerschweizer an ihrem Tun wohl nicht gehindert, was ihm den Zorn Berns zuzog. Ihm wird befohlen die Kapelle zu schliessen. Bald darauf wird er entlassen.

 

Kreuzzüge nach St. Beaten

St. Beaten war geräumt, die Bilder und Altäre entfernt und der reformierte Gottesdienst eingerichtet. Das hindert aber die Wallfahrer aus der Innerschweiz nicht, scharenweise über den Brünig her zum altehrwürdigen St. Batt zu pilgern.

Bern geht nun radikal gegen den Beatuskult vor, denn es bangt um das Gelingen der Reformation im Oberland.

1530 lässt Bern das "St. Battenloch vermuren". Vier Jahre später wird der Wallfahrtsort vollständig geschleift, die Höhle muss erneut zugemauert werden. Die Leute von Beatenberg erhalten 1535 eine eigene Kirche im Dorf.

Aber die Wallfahrten hören nicht auf. Immer wieder besuchen Pilgergruppen aus den Urkantonen die heilige Stätte. Begleitet von Priestern reissen sie die Mauer vor der Höhle nieder, um sich Zugang zum Heiligtum zu verschaffen. Bern lässt die Mauer immer wieder aufbauen. So auch 1537, 1547 und 1566, als eine 4 Fuss dicke Mauer errichtet wird. Trotz Verbot und Androhung von Strafen lassen sich die Pilger nicht einschüchtern und kommen immer wieder. Sie können nicht verstehen, warum man sie an der Wallfahrt nach St. Beaten, die sie seit Menschengedenken gewöhnt waren, hindern will. In Obwalden will man die Wallfahrt nach St. Beaten, wie einst die Kreuzritter, wenn nötig mit Gewalt freikämpfen und sichern. Es droht ein bewaffneter Konflikt. Obwalden findet aber für sein Unterfangen bei den Altgläubigen kaum Unterstützung und muss 1570 an der Tagsatzung von Baden, an der es freie Wallfahrt verlangt, nachgeben.

Nach 1590 erheben sich erneut Pilgerströme nach St. Beaten. Die Pilger sind durch eine Schrift des Jesuiten Canisius aufgerufen worden, trotz aller Erschwernisse, den Heiligen am Thunersee zu besuchen. Bern reagiert auf diesen Angriff postwendend: Die Pilger sollen aufgegriffen und mit hohen Bussen bestraft werden. 1593 muss die Höhle erneut zugemauert werden. Nach und nach nehmen die Wallfahrten ab, aber auch diese letzte Mauer wird wieder aufgebrochen, und man erzählt sich, dass noch bis anfangs letztes Jahrhundert Wallfahrer aus der Innerschweiz nach St. Beaten gepilgert seien.

Sankt Beatus heute

Heute wird der Heilige Beatus nur noch in der Innerschweiz verehrt. In Obsee bei Lungern steht eine ihm geweihte Kapelle. Beatus ist auch Schutzpatron von mehreren Kirchen, so z.B. der Hofkirche Luzern, über deren Hauptportal er noch heute gegen lebensfeindliche Drachen kämpft.

Sankt Beatushöhlen

Sie bleiben ein beliebtes Ausflugsziel für Jung und Alt. Sicher und kundig geführt können sich die Besucher in die Tiefe der geheimnisvollen Höhle begeben, die Zelle mit dem Heiligen Beatus besuchen, oder sich einfach ans Wasser setzen und lauschen... und... wer sich die Zeit nimmt zu lauschen, kann auch heute noch fühlen. Dieser Ort ist nicht zufällig durch all die Jahrhunderte hindurch ein Heilsort gewesen. Er ist mit vielen Schönheiten ausgestattet, reich an Geist und Geschichte, an Lieblichkeit und Geborgenheit, erfrischend und belebend, auch heute noch.