Wer einen Weg baut, baut vorwärts, tut einen ersten Schritt

Predigt Bezirkssynode Schwarzenburg, 23.8.98 – Ueli Häsler, Merligen

"Wer einen Weg baut, baut vorwärts, tut den ersten Schritt
Wer einen Weg baut, wird nie fertig, denkt weiter
Wer einen Weg baut, stellt sich dem Leben jeden Tag neu
Wer einen Weg baut, baut in die Ferne und in die Höhe
Wer einen Weg baut, baut keine Sackgasse, sucht Begegnungen
Wer einen Weg baut hat ein Ziel, sucht das Leben und DEN der Leben schafft."

Wenn man an einem klaren Spätsommertag vom Gipfel des Sigriswiler Rothorns in die schöne, wie frisch gewaschene Landschaft hinausschaut, sieht man, wie hunderte von kleinen Weglein die Dörfer, Felder und Wälder wie ein Netz zusammenhalten.

Wege verbinden, den eine Nachbarn mit dem anderen, ein Dorf mit dem andern, eine Region mit einer anderen Region...

Wege beleben wie Blutbahnen unsere Landschaft. Dort wo die Wege durchführen, wird es lebendig, wird gehandelt, wird ausgetauscht. Wege sind die sichtbaren Zeichen von einer Zivilisation die friedlich miteinander verkehrt.

Durch ihre Weite ermöglichen Wege dem Wanderer Erfahrungen der Tiefe. Wer auf ihnen geht wird weit und offen...

Wege ermöglichen Begegnungen, Begegnungen mit der Landschaft, der Natur, mit Mensch und Tier, aber auch Begegnungen mit dem Fremden, dem Ungewissen und mit sich selber.

Wege bewegen. Das Wort Weg   Weg ist im Wort bewegen- enthalten. Das Wort bewegen

weist darauf hin, das wer sich auf den Weg macht, sich bewegt, mit Leib und Seele, es weist darauf hin, dass auch er selber bewegt wird, sein Leib und auch seine Seele.

Wer sich auf den Weg macht geht und wächst mit der Schöpfung, wer stehen bleibt, wächst nicht mehr...

Wenn wir also die Begegnung mit Gott und seiner wunderbaren Schöpfung suchen, dann müssen wir uns auf den Weg machen, aufbrechen, auf neuen Wegen... dem Wege nach.

Dem Weg nach, den vor uns schon einer gegangen ist, von dem er gesagt hat, er sei der Weg.

Und weil das Christus ist, der das sagte, wissen wir, dass auch der längste und schwierigste Weg auf dieser Welt keine Sackgasse in einem irrsinnigen Labyrinth ist.

Und weil das Christus ist, der dies sagte, wissen wir, dass er mit uns auf dem Weg ist, dass er uns begleitet, uns hält, wenn wir stolpern, und leuchtet in der Finsternis, uns sicher nach Hause bringt.

Wenn ich an einem klaren Spätsommertag vom Sigriswiler Rothorn in das Land hinausschaue und die vielen Weglein sehe, empfinde ich Freude, Freude darüber, das unsere Regionen durch Wege miteinander verbunden sind.

Freude darüber, dass der Jakobsweg, der grösste Sinnweg in der 2000-jährigen Geschichte der Christenheit sich gerade hier durch die Landschaft windet. Aber noch grösser wird die Freude, wenn ich daran denke, dass sich das Schwarzenburgerland, das Gürbetal und das Oberland auf diesem Weg zur Ewigkeit begegnen, um aufzubrechen, um ein Stückchen von diesem Weg miteinander zu gehen, verbunden mit dem, welcher durch seine grosse Liebe alles verbindet, verbunden mit Christus.
 
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Berndeutsche Version:

 

Wär ä Wäg bout, bout vorwärts, tuet der erscht Schritt 

Wär ä Wäg bout, wird nie fertig, deicht witer
Wär ä Wäg bout, stellt sich am Läbe, jeda Tag nüw
Wär am Wäg bout, bout i d‘ Wyti un i d‘ Höchi
Wär am Wäg bout, bout kei Sackgass, suecht Begägnige.
Wär am Wäg bout, het es Ziil, suecht ds Läbe u Dä wo Läbe schafft.


We mu am ne klare Spätsummertag vom Gipfel vom Sigriswiler Rothorn i die schöni, früsch g’wäschni Landschaft usiluegt, gseht mu, wie hunderti vo chlyne Wäglene d’Dörfer, d‘ Fälder u d‘ Wälder wie nes Netz zämehei.

Wäge verbinde, der Nachbur mit em Nachbur, ds Dorf mit em Dorf, d’Region mit der Region...

Wäge beläbe, wie Bluetbahne üsi Landschaft. Dert wo d‘ Wäge dürhi gähn, wird’s läbig, wird ghandlet un ustuscht. Wäge si die sichtbare Zeiche vo re Zivilisation wo mitenand fridlich verchert.

Dür ihri Witi ermügleche Wäge äm Wanderer Erfahrige vor Töifi. Wär uf ihne geit wird wit u offe...

Wäge ermügleche Begägnige, Begägnige mit der Landschaft, der Natur, mit Mönsch u Tier, aber o Begägnige mit em Frömde, mit em Ungwüsse u mit sich sälber.

Wäge bewege. Ds Wort Wäg - Weg - isch im Wort bewege- bewegen, enthalte. Ds Wort beweg wyst druf hi, das wär sich uf ä Wäg macht, sich bewegt, mit Liib u Seel, un äs wysst druf hi, das o är sälber bewegt wird, si Liib u sini Seel.

Wär sich uf ä Wäg macht, geit u wachst mit der Schöpfig, wär blibt stah, wachst nümme...

We mier also Begägnig mit Gott u sire wunderbare Schöpfig sueche, de müesse mier nis uf ä Wäg mache, ufbräche, uf nüje Wäge...am Wäg nah.

Däm Wäg nah, wo vor üs scho eine isch gange, wo hed gseit, är sig der Wäg.

Und will das Chrischtus isch, wo das gseit het, wüsse mier, dass o der lengscht u schwirigscht Wäg uf dere Wält ä kei Sackgass im ne irrsinnige Labyrinth ischt.

U will das Chrischtus isch, wo das het gseit, wüsse mier, dass är mit üs uf däm Wäg isch, das är üs begleitet, üs hed, wemmer stürfle, üs züntet ir Fischteri, un is sicher heimbringt.Wen i am ne klare Spätsummertag vom Sigriswiler Rothorn i ds Land usi luege u die vile Wägleni gseh, de uberchumeni Fröid, das üser Regioni, dür Wäga midenand verbunde si. Freud, dass der Jakobswäg, der gröscht Sinnwäg ir 2000 jährige Gschicht vor Chrischteheit sich grad hie dür d‘ Landschaft windet. Aber no grösser wird d‘ Fröid wen i dra deich, dass sich ds Schwarzeburgerland, ds Gürbetal u ds Oberland am Wäg zur Ewigkeit begägne, um ufzbräche, um mitenand äs Stücki vo däm Wäg z’gah, verbunde mit däm, wo dür sini grossi Liebi alls verbindet, verbunde mit Chrischtus.

Ueli Häsler