Tagebuch des Pilgers James

Einsiedeln ist nicht mehr der stille, einsame Wallfahrtsort im finsteren Wald, den der Mönch Meinrad einst vorfand. Einsiedeln ist mit seiner prachtvollen Barockkirche zum Magneten für Touristen geworden. Heute brauchen Wallfahrer nicht mehr auf fliessendes, warmes Wasser und bequeme Betten zu verzichten – sie reisen in bequemen Transportmitten und auch Hotels, Restaurants und Souvenir-Shops gibt es zu genüge. Und ja, ich gestehe ehrlich: auch ich habe mich „verleiten“ lassen und den Geschäften und Cafés einen Besuch abgestattet. Warum auch nicht? Pilgern heisst auch neugierig sein und nicht nur Entsagen.

Zum Nachdenken 

„Ich erlebe den Marienwallfahrtsort und höre vom alten Namen: „Im finsteren Wald“. Da war wohl die Einsiedelei“.

Kerze"Vor der gemütlichen Wanderung durch das Alpthal und den steilen Aufstieg zur Haggenegg – im Anblick der Mythen - darf der Besuch bei der schwarzen Madonna von Einsiedeln nicht fehlen. Wie viele andere Wallfahrer zünde auch ich eine Kerze an, damit mich ihr Licht auf meinem weiteren Weg begleite".

Der Brunnen
Ein Mann hatte von einem Einsiedlermönch gehört. Er konnte nicht verstehen, warum jemand so zurückgezogen leben will. Er geht zum Mönch, um nach den Erfahrungen des Einsiedlers zu fragen. Der Mönch führte ihn zu seinem Brunnen. Er nahm einen Stein, warf ihn in das Wasser und sagte zu dem Fremden: „Schau in den Brunnen, was siehst du?“ – „Nichts“, sagte der Fremde, „nur Wasser, das sich bewegt!“ Der Mönch wartete eine Zeit und bat dann den Fremden, nochmals in den Brunnen zu blicken.“ Was siehst du jetzt?“ – „Jetzt, ich sehe mich selber. Ich spiegle mich im Wasser.“ – „Siehst du“, antwortete der Mönch, „das ist die Erfahrung der Einsiedelei.“
Unbekannter Autor

 

Perlen am Weg:
Brunnen

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