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Soll ich pilgern gehen, wenn das Corona Virus rundum Thema ist?

Vereinzelt haben mich in den letzten Tagen (9.-13.3.2020) Anfragen erreicht, wie das mit dem Pilgern in Zeiten des Corona Virus ist. Ich gebe hier gerne eine persönliche Einschätzung ab, die ich auch als Präsident des Vereins Jakobsweg.ch auf der Homepage des Vereins teile.

 

1) Empfehlung:

Ich rate zurzeit davon ab, als Pilger*in auf dem Jakobsweg und anderen Pilgerwegen unterwegs zu sein, egal in welchem europäischen Land. Immer mehr Länder treffen Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Dazu werden nach und nach Entscheidungen getroffen, die dazu beitragen, dass Menschen zueinander in der Öffentlichkeit eine soziale Distanz einhalten. Die Entscheidungen betreffen nun auch u.a. die Schliessung von Restaurants und Unterkunftsmöglichkeiten, so in Italien, in Spanien, in Frankreich und nun auch immer mehr in der Schweiz. Dazu kommen mehr und mehr auch Einschränkungen beim Personenverkehr an den Grenzen. Das macht es zunehmend schwierig, als Pilger*in unterwegs zu sein, auch wenn man sich als Einzelperson an die Empfehlungen halten kann, welche vom Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz herausgegeben worden sind:
BAG CH -> D / F / I

a)    häufig Hände waschen (und sich mit den Händen nicht ins Gesicht greifen: Mund, Nase, Augen)

b)    Hände schütteln, Begrüssungsküsse usw. vermeiden.

c)    zueinander 2m Abstand halten.

d)    in die Armbeuge oder in ein Taschentuch niesen / husten (und das Taschentuch danach in einen geschlossenen Abfalleimer entsorgen.)

e)    Bei Fieber und Husten zuhause bleiben

f)     Nur nach telefonischer Anmeldung in eine Arztpraxis oder in eine Notfallstation gehen.

 

2) Grundlagen für die Empfehlung:

Viele Länder in Europa treffen Massnahmen, um die Verbreitung des Corona Virus zu verlangsamen und zu minimieren. Es geht dabei vor allem darum, dass Menschen mit Vorerkrankungen und ältere Menschen ab 65 Jahren, die potentiell auf eine Erkrankung heftig reagieren könnten und gefährdet sind, vor einer Ansteckung mit dem Virus geschützt werden und dass das Gesundheitssystem eines Landes nicht überfordert wird mit einer Vielzahl von Menschen, die gleichzeitig und zusätzlich zu den bisherigen Patient*innen medizinische Betreuung benötigen. Alle sind deshalb aufgefordert, diese Massnahmen mitzutragen, auch wenn man selber nicht zu den sehr gefährdeten Menschen gehört. Aber das eigene Verhalten betrifft auch andere Menschen.

 

3) Die Situation in der Schweiz und weiteren Ländern

Die Situation der Ausbreitung des Virus und die beschlossenen Massnahmen der einzelnen Länder wechselt zurzeit (15.3.2020) von Tag zu Tag. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das, was heute gilt, schon morgen überholt ist und neue Massnahmen beschlossen und eingeleitet werden.

 

Die jeweils aktuelle Situation in der Schweiz, die Massnahmen, die gelten, und weitere Empfehlungen, sind hier zu finden. (BAG CH)

Für die Benützung des öffentlichen Verkehrs gibt es zusätzliche spezielle Empfehlungen: Ich erwähne:

- unnötige Fahrten meiden, insbesondere zu Stosszeiten und insbesondere Personen ab 65 Jahren

- auf Tourismus- und Freizeitverkehr verzichten.

 

4) Wann kann ich wieder pilgern gehen?

Die von den Behörden beschlossenen Massnahmen betreffen unterschiedliche Zeiträume. Viele gehen bis in den April hinein, bzw. bis Ende April. Und es ist zurzeit nicht klar, ob per 1. Mai alle Massnahmen ausser Kraft gesetzt werden oder ob sie verlängert werden. Ich bitte die Pilger*innen, sich dazu selber bei den entscheidenden Stellen zu informieren. In der Schweiz ist das das Bundesamt für Gesundheit (BAG)

 

5) Was kann ich tun?

Der Jakobsweg läuft nicht davon. Er ist auch noch im Sommer da, und im Herbst, und auch im Jahr 2021. Was aber in dieser Zeit zu verschwinden droht, wenn Menschen sich mehr und mehr aufgrund der beschlossenen Massnahmen in die Wohnungen zurückziehen, ist die soziale Nähe. Diese kann auch mit einem Telefonanruf überwundern werden, mit dem Einkaufen von allem Nötigen für eine Person, für die eine Ansteckung durch den Coronavirus verhehrend wäre und die darum sich nur noch in einer grossen Anspannung auf die Strasse wagt. Das Gute am Jakobsweg ist, dass er Menschen zusammenbringt. Pilger*innen können das auch in Zeiten von Corona in ihrem Alltag auf eine gute, kreative und achtsame Art und Weise tun.

 

Buën Camino auch in diesen besonderen Zeiten!

 

Walter Wilhelm, Präsident Jakobsweg.ch / Birsfelden, den 15.3.2020